· 

Baby Blues

Was ist der Baby Blues

Der Baby Blues ist eine Art Stimmungsschwankung nach der Geburt seines Kindes. Dieses „Down“ nennt man den Baby Blues. Vermutlich trifft es einem ganz unvorbereitet und man ist im ersten Moment völlig durcheinander. Und zwar einige Tage oder bereits kurz nach der Geburt des Kindes fühlt man sich plötzlich schlecht oder ist gereizt. Zudem ist einem ständig zum Weinen zumute und man hat das Gefühl es gibt keine Lösung und keinen Ausweg. 


Die Auslösung

Ärzte und Wissenschaftler sind der Meinung oder vermuten, dass der Baby Blues ausgelöst wird durch die hormonelle Veränderung nach einer Geburt. Der Körper muss eine enorme Umstellung bewältigen und auch die gesamte Lebenssituation verändert sich gewaltig.

Die Schwangerschaftshormone gehen langsam aus dem Körper. Der Körper muss sich auf die Muttermilchproduktion konzentrieren und der Adrenalinspiegel sinkt. Alles löst eine hormonelle Gefühlsachterbahn aus.

 

Zudem merkt man ab dem Zeitpunkt wo man die Klinik verlässt, dass nun die Realität beginnt und damit auch die Tatsache was Elternschaft bedeutet.


Die Dauer

Im ersten Moment hat man den Eindruck, diese Gefühle sind nun für immer. Keine Angst das sind sie nicht, es wird besser und das von Tag zu Tag.

Es ist keine Krankheit und trotzdem ist die Dauer bei vielen Frauen sehr individuell. Einige haben dies nur ein paar Stunden, andere ein paar Tage und

dann solche welche 3 Monate damit zu kämpfen haben. 


Mein Baby Blues

So nun die grosse Frage, habe auch ich daran gelitten?

Ja, auch ich war eines dieser Mamis, welche nach der Geburt meiner Kinder an Babyblues litt und das bei beiden Kindern.

 

Nach Ellas Geburt dauerte der Baby Blues sehr lange und zwar ungefähr 4 Monate. Bei Logan hingegen war er nach 2 Tage mit Unterstützung der Hebammen und Pflegeassistenz in der Klinik weg. Der Baby Blues begann bei beiden Geburten ca. 1-2 Tage nach der Entbindung. Da ich diese Gefühle nach Ellas Geburt noch nicht einordnen konnte, wusste ich nicht wie ich mir helfen soll oder wo ich Hilfe holen konnte. Zudem war ich zu stolz, schüchtern und schämte mich. Denn nach einem so wunderschönen Erlebnis kann man doch nicht dauernd traurig sein und weinen. Fazit ich frass alles in mich hinein, was die Situation nicht besser machte, sondern sie nur noch verschlimmerte und dadurch auch so lange andauerte.


Ella's Baby Blues

Folgende Gefühle waren bei mir einen Dauerzustand:

  1. War 24 Stunden weinerlich, ohne zu wissen warum
  2. Hatte Angst vor dem Alleinsein mit dem Baby (trotz meiner Selbständigkeit)
  3. Ich war erschöpft, konnte aber nicht schlafen
  4. Hatte Hunger, konnte aber nicht essen

Punkt 1 war für mich der schlimmste Zustand. Oh ja, es war für mich ein richtiger Zustand. Denn ständig fragte ich mich, was nur mit mir los sei? Das kann doch nicht sein? Ich sollte doch glücklich sein? Ich hatte doch nun dieses kleine Wunder in meinen Armen und war über beide Ohren hinweg verliebt. Ich liebte Ella mehr als alles Andere und trotzdem musste ich ständig weinen.

 

Ich konnte mir meine Gefühle einfach nicht erklären und war richtig ratlos.

 

Leider hatte ich während dem Wochenbett im Spital einige sehr schlechten und vor allem stressigen Erfahrungen gemacht, welche sicherlich auch einen Einfluss hatten. Doch die Umstellung von einer jungen erfolgreichen Frau, welche einen super Job hatte zu der liebevollen Mutter, welche zu Hause bleibt war doch schwerer als ich dachte.

Nicht das ist es nicht wollte, nein ich wollte es mehr als alles andere. Es war schon immer mein absoluter Traum Hausfrau- und Mutter zu werden. Doch meine Gefühle, Emotionen und Hormone spinnten einfach total und dadurch entstand das Gefühl von Überforderung und Hilflosigkeit.

 

Zusätzlich hatte ich keine besonders gute Hebammen-Nachbetreuung zu Hause. Alles war sehr unpersönlich und distanziert, was die ganze Situation nicht besser machte. Dies war ein wichtiger Punkt, denn ich mir nachträglich sagte: Wenn ich wieder ein Kind haben sollte, würde ich mir meine Hebamme genau aussuchen und die persönliche Sympathie muss von Anfang an bestehen. Wenn nicht – na dann Tschüss!

 

Nach ungefähr 4 Monaten hatte ich diese Phase überstanden und es ging mir ersichtlich besser. Doch ohne Hilfe von meinem Mann, meiner besten Freundin und natürlichen Heilmittel (Frauenmänteli Tinktur) hätte ich wahrscheinlich mehr Hilfe holen müssen.


Logan's Baby Blues

Bei Logan war alles ein wenig anders, denn ich war bereits vorbereitet. Auch beim vorgeburtlichen Hebammengespräch in meiner Geburtsklinik, hatte ich meine Erlebnisse und Gefühle nach der Geburt von Ella mitgeteilt. Dadurch wurde extrem Rücksicht genommen und als ich einen Tag nach der Geburt von Logan wieder diese Gefühle verspürte, hatten sich die Betreuerinnen extrem um mich gekümmert. Ich erhielt einige Akkupunktursitzungen und nahm gleich die Frauenmänteli Tinkur. All das half mir so gut, dass ich nach 2 Tagen keine schlechten Gefühle mehr hatte.


Hilfe ich weis nicht weiter

Beim Baby Blues von Ella war ich also sehr lange am grübeln.

 

Dabei ist es wichtig über seine Gefühle zu sprechen. Genauso hilfreich ist es, über die Geburt, die Erlebnisse und Erwartungen zu sprechen. Manchmal hat man einen blockierten Gedanken, es können Zweifel oder Ängste erscheinen. Deshalb empfehle ich allen Schwangeren und frisch gebackenen Mamis, welche an diesen unerklärlichen Gefühlen leiden, sich Hilfe zu holen und nicht einfach in sich hineinzufressen.

 

Eine der wichtigsten Personen in diesem Fall, nebst dem Partner ist hier sicher die Hebamme. Die Auswahl und das Kennenlernen einer Hebamme vor der Geburt des Kindes ist daher unglaublich empfehlenswert. In den meisten Fällen kann diese auch Ratschläge oder Tipps geben und sich auch auf eine solche Situation vorbereiten.


Ich hatte nach dem schlechten Erlebnis bei Ellas Geburt meine Hebamme bei der Geburt von Logan explizit ausgesucht und diese zuvor in einer Einzelsitzung kennengelernt. Erst nach diesem Gespräch konnte ich ihr zusagen. Ich hatte Glück und die Erste, welche ich ausgesucht hatte, passte perfekt. Während unserem Kennenlernen, erzählte ich ihr alles, meine Erlebnisse, Befürchtungen und Ängste. Zudem teilte ich ihr mit, dass ich praktisch keine Hilfe bezüglich dem Baby benötigen würde, sondern eher eine seelische Unterstützung für mich bräuchte. Denn die Aufgabe einer Hebamme ist nicht nur die Betreuung der Neugeborenen, sondern auch der frischgebackenen Mamis.

Lösung

Mit genug Erholung und Unterstützung von Partner, Freunden, Familie und Hebamme, sollte es einem schnell besser gehen. Ist dies jedoch nicht der Fall und die Gefühle gehen nicht weg oder werden nur schlimmer, könnte es sich um eine Postpartale Depression (PDN), auch Wochenbettdepression genannt, handeln. Wenn das der Fall sein sollte, dann bitte ich jede Frau sofort mit seiner Hebamme oder Arzt zu sprechen, damit man rasch Hilfe erhält.


Just the three of us

Ich empfand dies eines der wichtigsten Punkte um meine Gefühle ins Gleichgewicht zu bringen.

 

Wenn ich so darüber nachdenke, habe ich diese intensive Zeit, welche schon im Wochenbett beginnt, mit Logan sogar noch intensiver genutzt als mit Ella.

 

Im Grunde ist es ähnlich wie in einer Beziehung. Die Gefühle entwickeln sich immer mehr und brauchen Zeit, vor allem zu zweit und wenn es das erste Kind ist.

 

Ich erinnere mich heute noch an einen Spruch meines Frauenarztes: „Du wirst bald froh sein, wenn Dein Mann zur Arbeit geht und Du alleine mit dem Kind bist, denn dann funktioniert alles einwandfrei und nach Plan“. Heute weiss ich war er meint und es ist tatsächlich so.


Meine Tipps

Hier noch einige Tipps, welche ich jeder frischgebackenen Mutter auf den Weg geben möchte:

  •  Lasst Euch nichts ein- oder ausreden
  • Seid ehrlich und sagt eure Meinung
  • Wenn ihr keinen Besuch im Wochenbett wollt, dann sagt es!
  • Wenn etwas nicht passt dann sofort ändern, nicht abwarten
  • Das Muttergefühl ist zu 99% immer korrekt
  • Entscheidet mit eurem Herz nicht mit dem Verstand

Zum Abschluss

Auch die glücklichste frischgebackene Mutter, wird Momente haben, in denen man sich einfach gestresst und eingeengt fühlt und es gibt

keinen Grund sich dafür schlecht oder schuldig zu fühlen.

 

MUM’S RULE!!!


Kommentare: 8
  • #8

    Jasmin (Mittwoch, 10 April 2019 12:33)

    Sehr schön geschrieben

  • #7

    Tanja (Donnerstag, 04 April 2019 22:50)

    Dieses Thema sollte einfach mehr erhöht werden. Grossartiger Beitrag, hab ihn gleich meiner Kollegin weiterempfohlen, die momentan in genau dieser Situation ist!

  • #6

    You know who ;) (Dienstag, 02 April 2019 17:46)

    Es gibt so viele frischgebackene Mütter, welche an solchen oder ähnlichen Gefühlen leiden nach einer Schwangerschaft und Geburt. Warum wir daraus weiterhin ein Tabu-Thema machen verstehe ich nicht. Aber das liegt wohl daran, dass allgemein das Thema Depression, Schuldgefühle einer Mutter etc. nicht gerne gehört wird. Danke für Dein Bericht!

  • #5

    Susanne (Montag, 01 April 2019 21:57)

    Wow super Beitrag!

  • #4

    Melina (Montag, 01 April 2019 12:20)

    Grossen Respekt für Deinen Mut über dieses Thema zu schreiben

  • #3

    Meli (Sonntag, 31 März 2019 23:45)

    Weiterhin ein Tabuthema über das viele Mütter nicht gerne sprechen. Danke für diese Ehrlichkeit!

  • #2

    Christina (Sonntag, 31 März 2019 15:29)

    Wow vielen Dank für Deine Ehrlichkeit. Viele geben es auch einfach nicht zu. Ich hatte auch ein Baby Blues aber dies war nach ein paar Tagen bereits weg.

  • #1

    Sharon (Sonntag, 31 März 2019 13:20)

    Sehr schön geschrieben. Bei mir ging der erste Blues nicht ganz so lang. Aber ähnlich. Musste andauernd weinen. Beim zweiten mal hatte ich eher Schuldgefühle und musste darum weinen, ich hätte keine Zeit mehr für den Grossen.

    Ich finde es sehr schade, denn viel zu wenig Ladys sprechen darüber. Das macht es manchmal noch schlimmer. Denn ich denke öfters ich wäre die einzige die das hatte.