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Fuck Lipödem

Meine Geschichte zu diesem Leidensthema beginnt bereits in meiner Jugendzeit. Denn damals verstand ich schon nicht, warum ich oben Grösse 36 trug und am Unterkörper 38/40 hatte. Also lässt mich zuerst ein wenig ausholen.

 

Es war einmal vor langer Zeit… Stopp, so begann die Story nicht aber ein Happy End hat es bis heute leider auch nicht.

 

Nein im Gegenteil, vor ungefähr 10 Jahren hatte ich einen Autounfall und erlitt einen Wirbelbruch und 3 angeknackste Brustwirbel. Die nachfolgenden 6 Monate waren extrem mühsam und eine richtige Last. Denn ich musste lange eine Halskrause tragen und konnte keine grossen körperlichen Aktivitäten machen und mit keinen "Grossen" meine ich sogar nicht einmal mehr eine schwere Handtasche tragen zu können – also richtig sch*****

 

Ich erholte mich zwar einigermassen, doch das Gewicht, naja spielte mir ein Strich durch die Rechnung. Leider war ich mir mit meinen Essgewohnheiten und wenig Bewegung nicht bewusst. Folglich nahm ich ganze 15 kg zu. Der blanke Horror! Auch wenn ich mir auf eine Art bewusst war, was passierte, hatte ich durch die schlimmen Umstände von Schmerzen und den zusätzlichen Depressionen (Hier: Mein Weg aus der Depression), das Gefühl ich müsse mich eher belohnen statt weiter zu quälen.

 

Warum schreibe ich jetzt aber zuerst von meinem Übergewicht statt dem effektiven Thema Lipödem? Weil bei vielen Lipödembetroffenen, Übergewicht folglich auch dazu gehört. Wie ihr aber wisst, bin ich gerade sehr beschäftigt mit dem Thema Gewichtsabnahme, welches dank WW gut in Progress ist.


Lets stop the chit chat

So nun zum eigentlichen Thema. Vor 2,5 Jahren (kurz nach der Geburt von Logan) hatte ich plötzlich solch starke Beinschmerzen. Diese Schmerzen hatte ich jedoch schon seit der Pubertät, der Unterschied jedoch, dass es immer schlimmer wurde. So als wäre es durch die Schwangerschaften verstärkt worden.

 

Ich vereinbarte also einen Termin bei meiner Hausärztin. Als ich ihr davon erzählte und meine Beine zeigte, sagte sie gleich, das ist mit Sicherheit Lipödem.


Was ist Lipödem

Lipödem ist eine Krankheit und wird mit starken körperlichen sowie mentalen Beschwerden gefolgt.

 

Es handelt sich um eine Fettverteilungsstörung- und Vermehrung, bei dem zu viel Unterhautfettgewebe an den Beinen, Unterschenkel, Gesäss und Armen eingelagert wird. Es entsteht Ernährungs- und Bewegungsunabhängig. Folgen sind Schwellungen mit Schmerzen. Es betrifft mehrheitlich Frauen, doch auch Männer können in seltenen Fällen betroffen sein. Man erkennt ein Lipödem, wenn bei den Betroffenen einen deutlichen Grössenunterschied mit schmalem Oberkörper und stark ausgeprägtem Unterkörper besteht. Typisch ist auch, dass die Hände, Füsse und Knöchel meist nicht betroffen sind. Lipödem ist vererbbar und treten häufig in der Pubertät, Schwangerschaft und der Menopause auf. Auch wenn es ärztlich noch nicht bestätigt ist, hat es meiner Meinung nach etwas mit den Hormonen zu tun. Es gibt 3 Stadien des Lipödems. Je ausgeprägter es ist, desto schlimmer die Beschwerden. Viele der Betroffenen verfallen in eine Frustration bezüglich ihres Äusseren und die erfolglosen Bemühungen mit Diäten, Sport etc. führe in seltenen Fällen sogar zur Depression. Häufig nehmen viele Betroffenen zusätzlich an Gewicht zu, was das Lipödem noch mehr verstärken kann.

 

Kurz zusammengefasst, gehören folgende Symptome zum Lipödem:

  • Schwellungen der betroffenen Stellen
  • Blutergüsse (Blaue Flecken)
  • Schweregefühl
  • Müde Beine
  • Schmerzen bei langem Stehen, Laufen
  • Berührungsempfindlichkeit
  • Stechende Schmerzen
  • usw.

Zurück zu mir

Meine Hausärztin erwähnte, dass hauptsächlich mein Gesäss, Beine und ein wenig die Waden dick seien. Mit den Armen habe ich zum Glück keine grossen Probleme. Die Hände und Füsse seien dagegen eher schlank und nicht so puffig, was bei Übergewichtigen normalerweise der Fall ist.

 

Ein weiterer Punkt sind die ständigen (keine Ahnung woher) blauen Flecken und Blutergüsse. Ein sehr mühsames Symptom ist, dass meine Beine sich nach ausgesetzter Kälte nicht mehr ohne ein heisses Bad wärmen lassen. Zudem nahm ich in beiden Schwangerschaften nur 10kg (inkl. Kindergewicht) zu, was auch ein typisches Lipödem-Symptom ist.


Die unendliche Geschichte der konventionellen Therapie

Danach begann die lange Reise von Therapiezeit, welche über ¾ Jahr dauerte. Es begann mit massgeschneiderten Stützstrümpfen, Lymphdrainage-Massage, welche ich übrigens 3-4-mal in der Woche besuchen musste. Danach ging es über zu Wickel (OMG der absolute Horror, 2 Wochen lang musste ich mich morgens einwickeln lassen und durfte diese erst am Tag danach abnehmen um mich neu einwickeln lassen).

 

Da beide Therapiemöglichkeiten zu nichts verhalfen, mache ich eine weitere Therapie bei einer TCM mit Akupunktur etc., doch auch das blieb erfolglos resp. die Schmerzen wurden zwar minimal weniger aber trotzdem blieb das Meiste so wie es war.

 

Warum habe ich mit der Therapie aufgehört? Da es als zweifach Mami ohne Hilfe von Familie und Co. (ausser natürlich Hubby) mit Baby und Kleinkind sehr schwierig war mindestens 5 ärztliche Termine pro Woche wahrzunehmen. Da die schlimmen Schmerzen minimal gelindert wurden, so dass diese wieder wie früher waren, stoppte ich die konventionellen Therapien. Zudem war durch ein weiteres Beratungsgespräch mit meiner Hausärztin nur eine Liposuktion die beste Lösung, was wir uns jedoch nicht leisten können.


Liposuction

Die einzige erfolgreiche Methode zur Besserung des Lipödemleidens ist also eine Liposuktion (Fettabsaugung).

Leider wird ein solcher Eingriff bis heute nicht von den Krankenkassen übernommen, da es als Schönheitsoperation angeschaut wird, obwohl es klare Linderung bringen würde. Ich verstehe die Krankenkassen auf eine gewisse Art, doch wenn man sich die ganzen Therapien bei den Hausärzten, Physiotherapeuten, Lymphmasseuren, Alternativmedizin, Schmerzmittel und Co zusammenrechnen würde, welches sich über mehreren Jahren ziehen können, wäre es günstiger für beide Parteien, wenn eine Liposuktion übernommen werden würde.

 

Die Kosten für einen solchen Eingriff, muss also selber getragen werden. In gewissen, damit meine ich äusserst seltenen Fällen wird es übernommen. Gemäss Informationen muss man da bereits im Stadium 3 sein und auch einfach Glück haben.

 

Seit Jahren überlege ich mir also diesen Eingriff machen zu lassen und hätten wir das Geld dazu, wäre ich die erste, welche sich dafür anmeldet.

 

Von meiner Ärztin beraten und wenn man sich im Internet schlau darüber macht, leidet jede 10 Frau daran. Auch sehr schlanke können davon betroffen sein.


Together Strong

Aber warum erzähle ich das hier alles in einem Blogbeitrag?

 

Weil es einen Teil von mir ist und zu meiner Geschichte gehört und ich hier ein Thema ansprechen möchte, über das viele nicht reden, sich schämen und man im Bezug auf erfolgreicher Therapie und Erlösung meist nicht weiterkommt.

 

Ich möchte hiermit allen Betroffenen Mut machen und sagen, ihr seid nicht alleine und zusammen müssen wir stark sein und dafür kämpfen!


Kommentare: 7
  • #7

    Melanie (Mittwoch, 24 Februar 2021 21:54)

    So ein starker Beitrag, einfach mega und die Fotos sind wunderschön!

  • #6

    Sarah H. (Sonntag, 07 Februar 2021 20:24)

    Liebe Joy
    Eimal mehr - sehr starker Beitrag!
    Kompliment für deine Stärke!

    Du bist eine wundervolle Frau und ich bin mir sicher, dass du alles schaffen kannst!

    Fühl dich umarmt �

  • #5

    Sarah (Sonntag, 07 Februar 2021 17:40)

    Liebi du bisch wunderschön und ich finde din Muet wiedermal unglaublich! Häsch wie immer min vollste Respekt.

  • #4

    Tanja (Sonntag, 07 Februar 2021 17:29)

    Wieder einmal ein absolut super Beitrag. Vielen Dank, dass du uns so auf deinem Weg, deinem Leben mit nimmst. Ich bewundere dich immer mehr.

  • #3

    Michael (Sonntag, 07 Februar 2021 17:28)

    ***Hot Mama***

  • #2

    Miriam (Sonntag, 07 Februar 2021 17:28)

    Du machst sicher vielen Mut mit diesem Beitrag und nebenbei ist das Foto unglaublich sexy...

  • #1

    Nina (Sonntag, 07 Februar 2021 17:27)

    OMG ein unglaublich starker Beitrag! Danke für Deine Offenheit!